Bach in Portugal

Tatsächlich bin ich kein Fan der Musik von Johann Sebastian Bach, und es wird sich vermutlich auch nicht ändern. Aber unterwegs verändert sich das Leben in vielerlei Hinsicht, das kennst du ja auch vom Urlaub, wobei wir dort hoffen, dass diese Änderungen positiver Art sind.

Aber wir können einen Eindruck davon mitnehmen, wenn es tagelang regnet, der Sturm dich am Strand wegwehen will, die Sonne erbarmungslos brennt, jemand krank wird. Also nicht alles optimal verläuft.

So geht mir das halt ein wenig potenziert, weil ich kein willkürliches Ende gewählt habe. Und nach wie vor der Bus, trotz aller Einschränkungen, die beste Lösung ist. Zu allen virtuellen Informationen habe ich mir auch vorgenommen, die Beiträge der Friedenskirche Braunschweig zu hören, zu der ich ja eigentlich auch nur noch einen informellen, nahezu einseitigen Kontakt habe. Und so komm ich dann auch zu Bach und der Predigt über Freude in diesen schweren Zeiten.

Auch wenn mein Ansatz ein wenig anders ist. In einem kleinen Gespräch zeitnah mit dem Einmarsch der Russen in die Ukraine habe ich zu all den lähmenden, traurigen Gedanken, zu der immer wieder aufkommenden Frage, darf ich jetzt noch reisen, jetzt noch Freude haben, meine Lebenslust genießen, mich über etwas Materielles freuen, geantwortet, „Mitleiden ist nur bis zu einem gewissen Punkt hilfreich. Danach macht es den Leidenden nicht stärker und den Mittragenden schwächer. Positiv zu denken halte ich für eine Lebenspflicht, für mich selber und für meine Umgebung.“

Gestern hat es, so wie die Engländer sagen,“ Cats and Dogs“ geregnet. Und es hat so gestürmt, dass man keinen Hund vor die Tür schicken kann. Auch so ein Spruch aus dem menschlichen Tierleben, diesmal mit heimischem Charakter. Das hat zum Vorteil, dass bei Intermarché kaum einer tankt, und wir mit unter 1,82 Euro aktuell noch günstig wegkommen. Dazu finde ich kurze Zeit später einen Parkplatz vor einem kleinen Supermarkt, kaum Kunden, Hilde ist safe, und ich kauf den Laden leer. Muss dreimal rein, um meine Beute abzuschleppen, wobei noch netter Mann mir die Wasserkanister bringt. Neunzig Cent für 5 Liter Aqua Natural, da spare ich mir meist Wasser aus diesen Leitungen auf Stellplätzen, die oftmals ziemlich dubios wirken, sodass das Wasser immer abgekocht werden muss.

Und natürlich werte ich das alles nicht als Zufall, sondern sehe in Vielem die Hand Gottes, der unsere Sorgen und Nöte kennt. Vielleicht nennst du das anders, aber wenn du dir Situationen in deinem Leben anschaust, dann kommt dir vielleicht auch der Verdacht, dass so manche Ereignisse mit Zufall eine ziemliche Abwertung erhalten. Und wie gesagt, ich bin hier nicht auf einem missionarischen Trip, sondern erzähle dir von unserem Leben so, wie ich es erfahre.

Der lieben Debbie aus der Schweiz verdanken wir nicht nur die tollen Aufkleber auf beiden Seiten des Busses, und einen wunderschönen, verregneten Nachmittag in den Hügeln, sondern auch einen tollen Kaffeegenuss. Bis zuletzt habe ich mir den schnelllöslichen Mokka aufgehoben, und gestern beim Einkauf war ich kurz versucht, eine andere Packung Kaffee fürs Filtern zu kaufen.

Aber heute morgen war es dann soweit, Schweizer Mokka ist grandios. Das kann ich jetzt vielleicht dreißig Tage lang genießen, ich freu mich drauf. Also noch mehr, als ich mich sowieso auf den Morgen freue, denn es so schön, die Augen aufzumachen, und einen neuen Tag vor mir zu sehen.

Den kostenlosen, regenverpfützten Stellplatz gegenüber dem Surferparadies auf beiden Seiten der Zufahrt zur kleinen Halbinsel bei Ferrel sehe ich leider erst am Morgen, aber so habe ich das schöne Vergnügen aus dem Trockenen ein bisschen zuzuschauen. Menschenbilder gibt es ja selten von mir, aber dem radfahrenden Surfer muss ich ein Denk – Mal setze, besonders beachte man das geniale Schuhwerk zur Oberbekleidung. Und nicht nur die Jungs sind hart im Nehmen, die jungen Leute allgemein sind eine Freude, ihnen an so einem trüben Tag zuzuschauen, der ihrer guten Laune keinen Abbruch zu tun scheint.

Lourinha, Castel Nova, Casal de Talefe, Sao Lourenco, O Guardiao, Carvoeira heißen die kleineren und größeren Orte am Wege. Oft oberhalb des Atlantik gelegen, mit prachtvollen Steilküstenausblicken, trotz Sturmböen mit peitschenden Regenschauer, ein schönes Vergnügen.

Ein wenig im Landesinnern dann der Ort São João das Lampas e Terrugem. Linkerhand sehe ich parkende Camper auf einem großen Parkplatz hinter einem erleuchteten Gebäude, das zahlreiche Menschen an diesem Abend betreten. Trotzdem findet dort keine laute Störung der Nachtruhe statt, nur ab und zu knirschen Reifen auf den Kieseln, die in unterschiedlich großen Wasserlachen liegen.

Nicht besonders hundespazierfreudig ist der Platz gelegen, aber Hilde gibt sich auch mit diesen Schnüffeleien zufrieden. Und tatsächlich finde ich tolle Blickwinkel für Bilder, man beachte die neue Interpretation der Schlüsselblume, mein absolutes Highlight heute morgen. Und das Insekt auf der rosafarbenen Blüte, das ich erst entdecke, als ich die Bilder sichte. Da gibt es die kleinen grünen und gelben Knospen von zwei Dolden, die nebeneinander am Straßenrand wachsen.

Wie unglaublich schön und vielfältig sie gestaltet sind, obwohl sie kaum einer beachtet. So kann das auch mit Musik sein, oder mit einer Predigt. Vielleicht hast du Lust reinzuhören, so ganz wertfrei, wie wir Menschen uns ja gerne wähnen.

„Es ist einfach, jedes Instrument zu spielen. Sie müssen nur die richtige Taste im richtigen Moment berühren, und das Instrument selbst ertönt.“
(Johann Sebastian Bach)

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