Saharasturm

Ich zerlege meinen Wasserkocher. Letzte Nacht in Melides. Auf eine so bizarre Art und Weise, dass ich das auf keinen Fall in eine schriftliche Form bringe werde. Vielleicht mal eine Geschichte am Lagerfeuer in einer Nacht voller Spaß und guter Laune, vorzugsweise also bei einer Outdoor – Lesung.

Erst die Probleme mit den Gaskochern, sodass ich ohne Landstrom nicht mehr kochen kann. Und jetzt der Wasserkocher. Nun lebe ich ja schon seit langem in einem Verständniskorridor, in dem ich mich frage, welchen Sinn und welches Ziel haben Ereignisse in meinem Leben. Oder deutlicher gesagt, wohin geht eine mögliche  Zielführung, und auf welche Weise soll ich begreifen, wie ich diesen Weg gehen kann.

Da ist zuerst einmal meine menschliche Reaktion, aber natürlich frage ich als Christ auch nach Gott. Als das Gasproblem aufgetreten ist, dachte ich daran, nun öfter mal jemanden zu bitten, mir das Gemüse zu kochen. Es gibt ja genug Reisende unterwegs, und ich hätte auch fragen können. Tatsächlich habe ich das einige Male gemacht, dann habe ich aber kein Gemüse mehr gekauft, und war nicht mal darauf vorbereitet, jemanden zu bitten. Denn es gab den Wasserkocher, und ich konnte zumindest mir eine Brühe kochen.

Alternativ wäre Landstrom und Campingplatz eine Möglichkeit, aber da ich das nur als Notlösung aus diversen Gründen sehe, ist das tatsächlich keine Option für mich. Jetzt kann ich mir nicht mal eine Tasse Kaffee morgens kochen, muss also zumindest um heißes Wasser einen anderen Menschen bitten. Und natürlich werde ich mir in Deutschland einen neuen Wasserkocher kaufen können, und auch eine Alternative zu meiner Gasproblematik finden. Vielleicht löst sich das Problem auch anders. Ich bin da durchaus offen und hoffnungsvoll. Aber ich muss nicht grundsätzlich das Nächstliegende tun, wie Lars sagt, Wasserkocher kriegst du in jedem Baumarkt, dann bist du wieder autark. Aber ist es wirklich ein Lebensziel, möglichst unabhängig von jedermann zu sein, dabei aber durchaus mit dem Kompromiss zu zweit, zu dritt, als Familie, unterwegs. Wäre nicht die gegenseitige Verantwortung der Menschen füreinander ein besseres Lebensziel.

Vielleicht ist genau das der Unterschied zu meinen früheren Reisen, wir haben vieles geteilt, weil wir wenig hatten, aber über die Gemeinschaft mit Gleichgesinnten unsere Stärken ausleben können. Im gegenseitigen Geben und Nehmen, aber auch später wieder alleine auf der Straße. Ich muss darüber nachdenken, auch was autark für mich bedeutet, weil ich ja durchaus unterschiedliche Begegnungsformen kenne. Und natürlich auch die Gemeinschaftsvielfalt. Vielleicht verstehe ich dann manches besser.

Die für mich offensichtlich sinnvollste Lösung meiner aktuellen Situation wäre ein Ende der Reisen, der Rückzug in ein Vierwanddomizil mit Tür und Fenster. Tatsächlich habe ich aber auch von Gott bisher noch nicht gehört, dass dies mein Weg sei. Denn was kann mir als Mensch Besseres passieren, mich voll Vertrauen darauf zu verlassen, dass Gott uns begleitet. Auch und gerade, wenn es Umwege gibt, oder Sackgassen, in die ich hineinfahre.

Der Saharasturm hat uns in Melides festgehalten, drei Nächte lang. Dem Rücken, dem Bein geht’s besser, der schöne blaue Bus braucht dringend eine Reinigung. Ich habe mein Wolfsbuch zuende gelesen, und bin jetzt bei der Reise von Laurie Lee in Andalusien angekommen. Gerade noch rechtzeitig, bevor es uns dort nochmal hinverschlagen wird, so hoffe ich zumindest. Wanderungen durch einen Landstrich Spaniens aus einer Zeit, als ich noch Kind war in Mitteleuropa. Nach dem Krieg, aber doch in einem wirtschaftlichen Aufschwung, der in Spanien erst weit später einsetzte.

„Eine Rose für den Winter“ lässt mich in einer Art mit ihm wandern, die sehr berührend ist. Die gelben  Margariten auf unserem Parkplatz haben am ersten Morgen noch geblüht, aber mit dem Ausbleiben der Sonne haben sie sich für zwei Tage geschlossen. Jetzt kommt sie wieder aus den Wolken hervor, und ich kann vom Bus aus sehen, wie sie ihre Blüten wieder öffnen.

Spiegelbilder. In einer Predigt von Sabine von Krosigk habe ich heute morgen von einem interessanten Buch gehört, in dem es über neue, wissenschaftliche, Erkenntnisse geht, dass wir Menschen die genetische Voraussetzung haben, als Babys schon uns im Gegenüber zu spiegeln, und so Verhaltensweisen „erlernen“ können, uns selber begreifen lernen.

Wenn es dich interessiert, wie das Buch heißt, in dem solche Sachen stehen, und welche Auswirkungen das für uns, und ggf für unser Gegenüber in Gott hat, dann kannst du gerne über den Link Näheres erfahren. Ich glaube, dass dieser Beitrag allgemein sehr interessant ist, und wir haben ja immer die Möglichkeit zu unterscheiden, was uns hilft und was nicht. So gehe ich mit fast Allem in meinem Leben um.

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