Nachts, wenn ich nicht schlafen kann

Es spielt keine Rolle, ob ich meine Leben plane oder einfach abwarte. Meine Tage as active as possible gestalte, oder einfach so von mir fließen lasse. Ob die Beine schmerzen und zucken, wenn ich liege. Oder ob ich total erschöpft bin, während ich mein Bett baue.

Sobald ich mich hinlege, bin ich wach. Nicht diese Tageswachheit, die mit Aktivität verbunden sein kann. Nein, eher eine Dunkelheitsaufmerksamkeit, das Gegenüber einer Hyperaktivität vielleicht, in der alle Bewegungen verlangsamt ablaufen, aber nicht zu einem Stillstand kommen, in dem Schlaf einsetzt.

Ich kann auch nur ganz selten mich zu Aktivitäten aufrappeln wie Lesen oder Schreiben, Musik hören und Kaffee kochen. Manchmal gibt es noch einen Rest Wein, aber mehr als mir den Gaumen zu feuchten, liegt mir nicht an dieser Aktion. Sicher, irgendwann sagt die Verzweiflung, trink mehr Wein, dann kannst du einschlafen. Aber dann könnte ich auch weinen, um mich zu verausgaben.

Meist warte ich, und wenn ich unruhig werde, setze ich mich auf, schaue ins Handy, ob vielleicht in der virtuellen Welt auch jemand nicht schlafen kann. Und Tatsache, die virtuelle Welt ist immer wach. Sie wiederholt sich zwar, wie frühere Fernsehprogramme in Zeiten, als ich noch geschaut habe. Und leider langweilt sie mich mit ihrer Kurzweiligkeit und ihrem Lärm. Ich frage mich oft, warum diese laute Begleitmusik von kleinen Filmsequenzen sein muss, wäre nicht Stille viel eindrucksvoller, um Bilder sprechen zu lassen. Zumal die Aufnahmen ja nur eine Handvoll Sekunden dauern.

Es regnet auf dem Land hinter Bordeaux, am nächsten Tag ist es windstill, aber die Wolkendecke öffnet sich erst spät. Heute scheint die Sonne, es ist sofort wieder knallig heiß. Wobei es vorher nicht kalt war, auch nachts nicht. Aber auch die  Menschen hier sprechen von ungewöhnlichen Verhältnissen, trotzdem verändern sie ihre Lebenssituation nicht, ziehen sich halt wärmer an, wie das schon immer war, wenn der Winter kam. Wobei wir jetzt Frühling haben, politisch gesehen dürfte es in Frankreich allerdings nicht klar sein, welche Jahreszeit vor uns liegt. Gefühlsmäßig wäre mir ein Marcronherbst lieber als ein Lepenwinter, selbst wenn er mit Katzenliebe gauckelt. Obwohl ich natürlich mich auch immer nur an der politischen Oberfläche befinde, und die Entwicklung in der Welt aus der Sicht eines Vagabunden betrachte. Welche Türen stehen mir offen, und hinter welchen Toren geht mein Weg weiter.

Wieder war ich in Sylvie’s Garten unterwegs, auf Spaziergängen in der nahen Umgebung. Habe Bilder mitgebracht, so wie ich sie vorfand und aufnehmen konnte. Tatsächlich habe ich auch zwanzig Seiten in meinem Buch gelesen, Laurie Lee erzählt, dass er und seine Frau oberhalb von Granada unterwegs sind, wir schreiben ein Jahr anfangs der 60er, also 1951/52 vielleicht. „In Schattenschwärze lag die tiefe Schlucht des Darro, sonnenbeschienene Terrassen zogen sich bis zur bewaldeten Höhe, auf der sich die Alhambra wie ein Märchenschloss aus den grünen Wogen erhob…Wir tranken den letzten Wein und streckten uns dösend in der Hitze aus. Über das Tal klang das Echo von Hausiererrufen, Eselsgeschrei und einschläfernden Glockenklängen… Bei diesen Geräuschen schliefen wir ein.“ (Laurie Lee – Eine Rose für den Winter / Wanderungen in Andalusien)

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